
Landkreis (ssr). „Ich singe Dir mit Herz und Mund“ – dieses Lied aus dem evangelischen Kirchengesangbuch ist, begleitet von Klaviertönen, am vergangenen Sonnabendvormittag im Stadthäger Ratskeller aus vielen Kehlen erklungen. Der Schaumburg-lippische Landesbischof Karl-Hinrich Manzke hatte die rund 200 dort versammelten Parteitagsdelegierten des CDU-Bezirks Hannover dazu motiviert.
Für ein „Geistliches Wort“ zu dem Parteitag eingeladen, sinnierte Manzke über kulturelle Erinnerung. Eine solche benötige die moderne Zeit. Gerade in einer freien Gesellschaft brauchten die Menschen innere Bindungen, führte der Bischof aus. Die Politiker forderte er auf, „im Wettkampf der Wahlversprechen“ nichts zuzusagen, was den Menschen hinterher in langer Sicht eher zum Schaden gereichen könne.
Unter der Leitung des Tagungspräsidenten Burkhard Balz, Europa-Abgeordneter aus Stadthagen, erhielt der Schaumburger CDU-Landratskandidat Klaus-Dieter Drewes Gelegenheit zu einer längeren Rede. Die objektive Lage im Land sei viel besser als die Stimmung in der schwarz-gelben Koalition, in der es „Brüche“ gebe, sagte Drewes. Um bei Wahlen auch im kommunalen Bereich Erfolge zu haben, müssten Bundespartei und CDU/FDP-Regierung aber „Geschlossenheit zeigen und miteinander, nicht gegeneinander arbeiten“, appellierte er unter dem starken Beifall der Delegierten. Um erfolgreich zu sein, gelte es, „zu kämpfen und nochmals zu kämpfen“, fügte der Landratskandidat an.
Das geplante neue Sparpaket der Bundesregierung sei im Grundsatz notwendig, so Drewes, aber: „Das eine oder andere ist an der Basis nur schwer zu vermitteln.“ Bei der umstrittenen, für die Kommunen wichtigen Gewerbesteuer appellierte der Schaumburger CDU-Chef an den anwesenden CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe: „Bitte sorgen Sie für eine für die Kommunen planbare Größe.“
Auch die CDU-Bezirksvorsitzende Maria Flachsbarth beklagte die „miserable Stimmung“ rund um die Koalition. Resultat sei, dass die Union „bei 30 Prozent dümpelt“. Mit Blick auf Gröhe forderte sie bissig: „Eine nach berechtigten internen Debatten dann gefundene gemeinsame Linie muss aber auch durchgehalten werden, und zwar mal länger als vier oder sechs Wochen.“ Für derlei Griffiges bekannt, hatte Flachsbarth mit strafendem Blick auf das nur aus Männern bestehende Tagungspräsidium den Delegierten schon eingangs entgegengeschmettert: „Ihr müsst volle Frauenpower heute ganz von mir nehmen!“
„Selbst eingebrockte Katerstimmung“ herrsche in der Koalition, räumte CDU-Generalsekretär Gröhe unumwunden ein. Das deutsche Fußball-Team habe am Wochenende wieder erfolgreich das Prinzip praktiziert: „Die Mannschaft ist der Star.“ Gröhe weiter: „Das müssen bei uns manche Stars erst noch lernen.“ Lang anhaltender, rhythmischer Beifall der Parteibasis war die Reaktion.