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Hessisch Oldendorf
05. Sep. 2010 13:46 Uhr
Erfolgreiche Suche nach besonderen Künstlern

Hessisch Oldendorf. „Zu meiner Zeit waren Impresarios in der Regel mit 25 Jahren kahlköpfig“, wusste der große italienische Komponist Gioacchino Rossini über den Umgang mit Künstlern zu berichten. Das mit der Kahlköpfigkeit trifft auf Hermann Faust zum Glück nicht zu. Hermann Faust organisiert für die Stadt kulturelle Veranstaltungen. „Diese zu planen, verlangt ein hohes Maß an Koordination“, sagt er. Graue Haare lässt er sich dabei nicht wachsen. „In der Regel läuft das Engagement über Künstleragenturen. Aber dankbar bin ich natürlich auch über Tipps von Privatpersonen“, betont der Mitarbeiter der Stadtverwaltung.

Hermann Fausts wesentliche Aufgaben bestehen darin, Verträge auszuhandeln, dafür zu sorgen, dass im Kultourismusforum die Bühne aufgebaut wird und Beleuchter und Tonmeister zu engagieren, die den Künstler ins entsprechende Licht setzen. „Nicht zuletzt bin ich auch für die Bewerbung der Veranstaltung zuständig“, erzählt er. Dazu gehören nicht nur der Druck der Eintrittskarten sowie das Aufhängen von Plakaten, auch der Künstler selbst hat gewisse Ansprüche an den Auftrittsort. „Das ist aber in Verträgen geregelt, die unbedingt eingehalten werden müssen“, erklärt Hermann Faust.

Er beziehungsweise die Stadt präsentierte jetzt mit dem Berliner Künstler Michael Sens einen Stand-up-Comedian ersten Ranges, der allerdings in Hessisch Oldendorf kein Unbekannter ist. Als ständiges Ensemblemitglied von Rumpelstil hatte Sens, der mit der Rumpelstilfrontfrau Blanche Elliz verheiratet ist, bereits öfter Station in der Kernstadt gemacht. „Somit war es einfach eine logische Konsequenz, Michael Sens auch mit seinem Soloprogramm zu engagieren“, sagt Hermann Faust. Und dass Hessisch Oldendorfs moderner Impresario mit dieser Entscheidung goldrichtig lag, zeigte sich beim Auftritt des Ausnahmekünstlers im Kultourismusforum, auch wenn die Gäste eher von außerhalb kamen, Hessisch Oldendorfer selbst aber nur vereinzelt auszumachen warn. Der 47-jährige gebürtige Ostberliner, Michael Sens, zeigt ein zwerchfellerschütterndes Programm, bei dem die musikalischen Pointen perfekt sitzen. Immer wieder macht Sens humorvoll den Unterschied zwischen musikalischer Erziehung im Westen und musikalischem Drill im Osten zu Zeiten der DDR klar. „Auch ich hätte gern Fußball gespielt“, erzählt der Künstler, der im Alter von sechs Jahren seinen ersten Klavierunterricht bekam, ein Jahr später noch das Violinenspiel lernte und als junger Erwachsener an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“, das Fach „Gesang“ belegte. „Meine Fußballambitionen wurden von meinen Eltern im Keim erstickt, sie ketteten mich stattdessen ans Klavier, wo ich mir musikalisch mein eigenes Fußballspiel kreierte“, erzählt er augenzwinkernd. Als Reporter kommentiert er in rasender Geschwindigkeit eine klassische Fußballelf mit Spielern wie Ludwig van Beethoven, Mozart aber auch Liszt und Rachmaninow, die sich ein schweißtreibendes Match auf dem Platz liefern, musikalisch von Sens mit bekannten Versatzstücken der Komponisten in atemberaubendem Tempo begleitet. Dass er dabei zumindest musikalisch Plagiate über die Bühnenbretter bringt, stört den Künstler nicht. „Das haben auch andere vor mir bereits gemacht“, erklärt er lapidar. Zum Vergleich spielt er die vom SED-Spitzbartträger Walter Ulbricht bei Hans Eisler bestellte DDR-Nationalhymne „Auferstanden aus Ruinen“, die nicht nur musikalisch verdächtig an den Hans-Albers-Hit „Goodbye Johnny“ aus dem UfA-Film „Wasser für Canitoga“ erinnert, sondern obendrein bei einer Klaviersonate Beethovens geschickt geklaut wurde, was beim Publikum für „Aha-Effekte“ sorgt. Unterm Strich begeistert Sens in den kurzweiligen zwei Stunden durch enorme musikalische Bandbreite, ausgeprägten Witz und charmanter Ossi-Nostalgie. Nicht umsonst hat er in der deutschen Kabarettszene diverse Auszeichnungen bekommen.

Das wusste auch das Publikum zu schätzen, das ihn mit frenetischem Applaus verabschiedet.



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