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Kultur
13. Aug. 2010 10:11 Uhr
„Herr, gib, dass ich dich und mich erkenne“

Bückeburg (bus). Fürst Ernst zu Holstein-Schaumburg gilt heutzutage und besonders im Zusammenhang mit dem Historienspiel „Schaumburger Friede“ vor allen Dingen als kolossale Respektsperson. „Benehmt Euch so, als ob der Bundespräsident zu Besuch kommen würde“, legt der Schauspieler und Fürst-Ernst-Darsteller Peter Kaempfe den „Untertanen“ ans Herz, die dem Zeitreisenden während seiner Wiederkehr in den Landkreis begegnen werden. Dabei waren dem Adligen nicht nur Machtbewusstsein und Prachtentfaltung geläufig. Es ist bei ihm, wie Helge Bei der Wieden in seiner jüngst neu aufgelegten Veröffentlichung „Ein norddeutscher Renaissancefürst“ schreibt, auch ein Zug der Melancholie bei ihm zu finden.

Horoskope geben ihm keine Hoffnung

Ein Zug, der „aus einer unbestimmten Trauer und dem Bewusstsein der Eitelkeit alles Irdischen kommt und der ... die Menschen den Freuden des Lebens entsagen und resignieren lässt“. Zudem muss Ernst sich sehr früh bewusst gewesen sein, dass seine Ehe ohne Erben bleiben würde. Die Horoskope, die er sich stellen ließ, machten ihm durchweg keine Hoffnung auf Kinder. Da die Astrologen vielfach Ärzte waren, die ihn zum Teil auch behandelten, mag reales Wissen in die Vorhersagen eingeflossen sein. Gleichwie wurde das Mausoleum nur für vier Personen geplant: Seine Eltern, seine Gemahlin und ihn. Mit ihm starb der Hauptstamm des Hauses Schaumburg aus.

Die beiden von Ernst bekannten Gemälde zeigen ihn in prächtiger Kleidung. Seine Unterschrift ist raumgreifend und in der Verschnörkelung ein kleines Kunstwerk. „Doch entsprach das Selbstbewusstsein, das aus diesem Schriftzug zu sprechen scheint, wirklich dem Lebensgefühl des Schreibers?“ gibt Bei der Wieden zu bedenken. Ernst sei sich der Endlichkeit alles Irdischen stets bewusst gewesen, so der Autor. Er ließ sich einen Totenkopf schnitzen und stellte diesen in einem Gemach im oberen Stockwerk des Schlosses auf. Dazu fügte er die Worte: „Herr, gib, dass ich dich und mich erkenne.“

Nachdem Ernsts Gesundheit offenbar schon längere Zeit angeschlagen war, starb er, ohne sein Testament vollzogen zu haben, am 17. Januar in Bückeburg. Seine Witwe Hedwig und sein Nachfolger Jobst Hermann ehrten das Andenken des Fürsten auf besondere Weise, indem sie Taler, Halbtaler und Vierteltaler auf seinen Tod schlagen ließen. Lukas Kilian, einer der bekanntesten Kupferstecher seiner Zeit, erhielt den Auftrag, ein Bildnis des Verstorbenen anzufertigen. Der Stich zeigt ein Brustbild des Fürsten im Harnisch in einem Schriftoval. Über ihm steht in griechischer Sprache: „Besser Unrecht leiden als Unrecht tun“.

Der Landesherr hatte sich indes nicht nur Freunde gemacht. So bemerkt Ludolf von Münchhausen in seinen Notizen über die Beisetzung des Fürsten, dass er niemanden habe weinen gesehen. Da den Edelmann seit Jugendtagen eine gegenseitige Abneigung mit seinem Herrn verband, verdunkeln Bei der Wiedens Einschätzung zur Folge derartige Misshelligkeiten nicht Ernsts Leistungen, sollten aber auch nicht übersehen werden. Der Historiker: „Während wir in Ernst heute in erster Linie den Förderer von Kunst und Wissenschaft sehen, galt er den Zeitgenossen als Schützer des Rechts. Gleichgültig, wie man die Gewichte verteilt – sein Andenken hat zu recht die Zeiten überdauert.“

„Ein norddeutscher Renaissancefürst – Ernst zu Holstein-Schaumburg 1569 bis 1622“, 14 mal 21 Zentimeter, leinengebunden, 160 Seiten, 49 farbige Abbildungen, ist im Verlag für Regionalgeschichte erschienen. ISBN: 978-3-89534-871-6. Preis: 14,90 Euro.



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